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Sexuell übertragbare Krankheiten: wie du dich schützen kannst
Gast: Dr. med. Madleina Müller, Gynäkologin
Dauer: 36:48
Dating-Apps sind auf dem Vormarsch. Like – Like… Match! Oft unterhält man sich kurz per Chat und trifft sich – zum Teil ganz gezielt vor allem für Sex. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber dennoch gibt es einige Fakten, deren du dir bewusst sein solltest:
- Das Risiko sich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit anzustecken steigt mit zunehmender Zahl an Sexualpartnern/-innen.
- Viele Menschen wissen nicht, dass sie eine sexuell übertragbare Krankheit haben und wer es weiss, ist nicht immer so offen und ehrlich und gibt dies preis.
- Manche sexuell übertragbaren Krankheiten können auch ohne, dass es zur Penetration kommt, übertragen werden (z.B. durch Reiben der Geschlechtsorgane).
- Sexuell übertragbare Krankheiten können ernste gesundheitliche Folgen haben und – im Falle eines Risikokontaktes – die Wahrscheinlichkeit erhöhen sich mit einer anderen sexuell übertragbaren Krankheit anzustecken.
Im vorliegenden Blogeintrag erfährst du
… welche sexuell übertragbaren Krankheiten/Infektionen es gibt
… wichtige Informationen zu einzelnen sexuell übertragbaren Krankheiten/Infektionen
… wer besonders gefährdet ist und
… wie du dich dagegen schützen kann
Zu den sexuell übertragbaren Krankheiten – oft abgekürzt als «STD» oder «STI» (aus dem Englischen für sexual transmitted disease/infection) zählen:
Aufsteigende Entzündung (Erreger, die den unteren Genitaltrakt verlassen und die Gebärmutter passieren und so das innere Genitale erreichen): Chlamydien, Gonorrhö (Tripper), Mykoplasmen und Ureaplasmen
Vulväre/vaginale STD: Genitalherpes (HSV), Humanes Papillomvirus (HPV), Trichomoniasis, Filzläuse
Den ganzen Körper betreffende STD (Erreger gehen ins Blut über): Hepatitis B und C, Syphilis, Humanes Immundefizienzvirus (HIV)
Disclaimer: In diesem Blogartikel haben wir nicht den Anspruch, abschliessend Informationen zu allen STD/STI zu vermitteln. Vielmehr geht es uns darum eine Übersicht mit den in unseren Augen wichtigsten Punkten zu geben und ein Bewusstsein zu schaffen, wie man sich vor STI schützen kann und was man bei Verdacht auf eine STI unternehmen kann/soll.
Wer ist besonders gefährdet?
Grundsätzlich ist jede Person, die sexuell aktiv ist, dem Risiko ausgesetzt, sich mit einer STI anzustecken. Jedoch gibt es Gruppen, bei denen das Risiko erhöht ist, z.B.:
- <25-Jährige (manche STI kommen bei Jüngeren vermehrt vor; z.B. ist der Gebärmutterhals junger Frauen infektionsanfälliger, weshalb das HPV bei jungen Frauen vermehrt auftritt)
- Wer mehrere/wechselnde Partner/-innen hat
- Wer kein mechanisches Verhütungsmittel (z.B. Kondom) verwendet (Achtung: auch ein mechanisches Verhütungsmittel bietet keinen 100% Schutz)
- Frauen, die eine bakterielle Vaginose haben, weil dann weniger schützende Bakterien in der Vagina sind und sich Bakterien/Viren leichter einnisten können
- wer aufnehmenden Analsex hat, weil es hier eher zu kleinen feinen Rissen im Anus kommt, wo sich Bakterien und Viren leichter andocken können. Zudem ist die Schleimhaut am Anus aufgrund ihrer Beschaffenheit ohnehin infektionsanfälliger.
- Wer sich die Schamhaare entfernt, weil es auch dabei zu Hautverletzungen kommen kann und diese das Übertragungsrisiko einiger STIs begünstigen

Chlamydien und Gonorrhö (Tripper)
Chlamydien und Gonorrhö sind bakterielle STI, die meist symptomlos ablaufen. Nur in etwa 20% der Fälle zeigen sich Symptome. Bei Frauen, die Gonorrhö haben, können vaginale Reizungen, grün-gelblich dicklicher Ausfluss oder Brennen beim Wasserlassen auftreten. Bei Chlamydien kann es zu einer leichten Entzündung des Gebärmutterhalses oder zu einer Schmierblutung nach dem Sex kommen. Wird die Infektion nicht behandelt, kann eine Unterleibsentzündung die Folge sein, von der vor allem Gebärmutter und Eileiter betroffen sind. Weitere Folgen können Eileiterschwangerschaft, Unfruchtbarkeit und ständige Unterleibsschmerzen sein. Weil die Infektionen in den meisten Fällen symptomlos verlaufen, sind regelmässige Kontrollen (vor allem bei Risikopatentinnen) sehr wichtig.
Die Bakterien können nur in bestimmten Zellen der Schleimhaut überdauern. Diese Zellen kommen am Gebärmutterhals, den Drüsen am Vaginaleingang, dem Harnleiter und Rektum vor sowie im Rachen und an den Augenlidern vor. Deshalb kann sich ein Baby bei der Geburt am Auge infizieren. Zudem kommen diese Zellen am Gebärmutterhals von jungen Frauen (<25-jährig) vermehrt vor, weshalb sie infektionsanfälliger sind und sich öfters kontrollieren lassen sollten, wenn sie sexuell aktiv sind. Auch bei einer Schwangerschaft wird eine Kontrolle empfohlen, weil eine Infektion zu Schwangerschaftskomplikationen führen können.
Chlamydien werden durch Schleimhautsekret übertragen. Am Rektum stammen sie am ehesten vom Gebärmutterhalssekret (durch Wischbewegung). Bei Gonorrhö geht man davon aus, dass eine Infektion im Rektum durch Analsex verursacht ist. Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Ansteckungsgefahr für Frauen grösser ist als für Männer. Die Benutzung von Kondomen verringert die Infektionsgefahr stark.
Ist es zu einer Infektion mit Chlamydien gekommen, kann dies mit Antibiotika behandelt werden. Bei Gonorrhö ist die Behandlung schwieriger, weil viele Menschen eine Antibiotika-Resistenz aufweisen.
Auch sollten Sexualpartner/-innen der letzten 2 Monate mitbehandelt werden und eine Nachuntersuchung nach ca. 3 Monaten nicht ausbleiben. Ehemalige Sexualpartner/-innen darüber zu informieren, dass man Gonorrhö oder Chlamydien hat, kann sehr unangenehm sein, ist aber wirklich wichtig. Für den Fall einer Infektion gibt es auf der Webseite www.lovelife.ch/de/safer-sex/partnerinfo/ Tipps, wie man den Partner oder die Partnerin informieren kann.
Weil Gonorrhö und Chlamydien oft zusammen mit anderen STI auftreten, sollten bei einem positiven Befund zudem Abklärungen für andere STI gemacht werden.
Mycoplasma genitalium
Eine Infektion mit dem Bakterium Mycoplasma genitalium ist eine der Ursachen, die bei Frauen und Männern zu einer Harnröhrenentzündung führen kann.Bei Frauen verläuft eine Infektion oft ohne Symptome, es kann aber auch eine akute Unterleibsentzündung auslösen, weil die Harnröhre und der Gebärmutterhals entzündet sein kann. Dies kann zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und manchmal vermehrtem Ausfluss führen.
Eine Infektion durch Mycoplasma genitalium wird mit Antibiotika behandelt. Sexualpartner/-innen sollten eine Behandlung mitmachen. Zudem wird auch hier empfohlen bei einem positiven Befund, sich auf weitere STI testen zu lassen.
Ureaplasma urealyticum
Die Ansteckung mit Ureaplasma urealyticum erfolgt in den meisten Fällen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr. Die Ansteckung kann aber auch über das Blut, den Speichel oder sogar die Atmung passieren. Schätzungsweise infizieren sich etwa 70% aller sexuell aktiven Männer und Frauen mindestens einmal im Leben mit Ureaplasmen.
Auch diese Infektion verläuft bei Frauen häufig ohne Symptome und bleibt deshalb oftmals lange Zeit unbemerkt und unbehandelt. Treten Symptome auf, können dies Rötungen und Entzündungen im Genitalbereich, Schmerzen beim Urinieren, ein ungewöhnlicher Ausfluss und Unterleibsschmerzen sein. Bleibt die Infektion unbehandelt, kann das bei Frauen zu einer Genitaltraktinfektion führen. Im schlimmsten Fall kann Unfruchtbarkeit die Folge sein. Darüber hinaus kann eine Ureaplasma-Infektion bei schwangeren Frauen zu Komplikationen wie Früh- oder Totgeburten führen.
Eine Infektion durch Ureaplasma urealyticum wird ebenfalls mit Antibiotika behandelt.
Genitalherpes (HSV)
Die Familie der Herpesviren umfasst >200 verschiedene Arten. Sexuell übertragbar sind 2 Arten: das Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1) und das Herpes-simplex-Virus 2 (HSV-2). Das HSV-1 ist umgangssprachlich auch als «Lippenherpes» bekannt, weil es oft am Mund vorkommt, kann aber auch im Genitalbereich vorkommen (Übertragung durch Oralverkehr). Am Mund kann man den HSV-1 immer wieder bekommen. Genitalherpes durch HSV-1 bekommt man im Normalfall nur einmal. Der HSV-2 hingegen kommt nur im Genitalbereich vor.
Nach der akuten Infektionsphase besteht der Virus weiter im Körper (latent) und kann irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt reaktiviert werden/wieder ausbrechen. Die Infektion kann völlig symptomlos ablaufen, es kann aber auch zur Bildung von schmerzhaften Bläschen oder Geschwüren kommen, Schmerzen beim Wasserlassen können auftreten, sowie Fieber und geschwollene Lymphknoten.
Hat sich eine Frau mit HSV-2 infiziert, ist die Ansteckung mit HIV – im Falle eines Risikokontaktes – erhöht. Zudem birgt Genitalherpes die Gefahr, dass es bei der Geburt zu einer Mutter-Kind-Übertragung kommen kann, wobei das Kind im Extremfall sterben kann. Wenn du also schon einmal Genitalherpes hattest, solltest du deine Gynäkologin/deinen Gynäkologen vor allem bei einer Schwangerschaft darüber informieren.
In der Schweiz tragen rund 70% der Bevölkerung das HSV-1 in sich und ca. 20% das HSV-2. Frauen sind häufiger vom HSV-2 betroffen als Männer, weil sie eher kleine Verletzungen (Mikrotraumen) bekommen, da die Vaginalschleimhaut empfindlicher ist als die Penishaut. Auch hier erhöht die Entfernung des Schamhaars die Wahrscheinlichkeit sich anzustecken.
Die Benutzung von Kondomen verringert die Infektionsgefahr mit Genitalherpes um 70 – 80%. Da man sich mit dem HSV auch durch Schleimhautkontakt (genital, oral, anal) infizieren kann, bietet das Kondom 100% Schutz.
Ist es zu einer Infektion gekommen, wird diese durch antivirale Medikamente behandelt.
Humanes Papillomvirus (HPV)
Das HPV gehört weltweit zu den am meisten verbreiteten STI. Es gibt >200 verschiedene HPV Typen und die Folgen variieren ebenfalls stark. Mit vielen Infektionen wird das Immunsystem selber fertig, es gibt also keine spürbaren Folgen. HPV 6 und HPV 11 können Genitalwarzen hervorrufen. Im schlimmsten Fall können Gebärmutterhals-, Vagina-, Vulva-, Anuskrebs oder Krebs im Mund- und Rachenraum die Konsequenzen einer HPV Infektion sein.
Bis zu 80% aller Frauen werden mindestens einmal im Leben eine HPV-Infektion haben. Besonders gefährdet sind auch hier die jungen Frauen, weil der Gebärmutterhals in jungen Jahren infektionsanfälliger ist, Frauen mit mehreren/wechselnden Sexualpartnern/-innen und Frauen, die bereits eine Scheideninfektion haben (geschwächte Abwehr). Auch erhöht ist das Risiko, wenn kein Kondom verwendet wird. Die Verwendung eines Kondoms reduziert das Risiko einer Ansteckung um ca. 70 – 80%, bietet aber immer nur teilweise Schutz, weil man sich mit dem HPV auch durch äusserlichen Kontakt (Vulva/Hodensack) infizieren kann.
Das Immunsystem kann in den meisten Fällen den HPV-Virus selber beseitigen. Je länger die Infektion jedoch andauert und je grösser die Anzahl der Geschlechtspartner, desto grösser ist das Risiko, dass Krebs entsteht. Bis es soweit kommt, vergehen meist viele Jahre. Nach der Infektion kommt es zunächst zu einer Dysplasie (eine Krebsvorstufe). Deshalb ist es so wichtig, dass man sich regelmässig untersuchen lässt. Durch den so genannten «Pap-Abstrich» werden am Gebärmutterhals schmerzlos Zellen entnommen und können mikroskopisch untersucht werden. Ist dieser Abstrich auffällig (Pap III – V), solltest du unbedingt die nächsten Schritte mit deiner Gynäkologin/deinem Gynäkologen besprechen.
Weiter kannst du dich schützen, indem du dich gegen HPV impfen lässt. Am besten wird die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen (2 – 3 Impfungen mit Abstand sind notwendig). So kann sichergestellt werden, dass noch keine Infektion stattgefunden und keine Antikörper gebildet wurden. Dann greift die Impfung am besten. Weil Jungen/Männer den Virus übertragen können, ist es wichtig, dass nicht nur Mädchen sondern auch Jungen geimpft werden. Weitere Informationen auch zur Kostenübernahme der HPV Impfung findest du unter «Informiere dich weiter».
Aber auch eine HPV-Impfung schützt nicht zu 100% vor allen HPV-Typen und deshalb solltest du, auch wenn du geimpft bist, weiterhin mechanische Schutzmassnahmen (z.B. ein Kondom) verwenden und regelmässig zum Pap-Abstrich gehen.
Trichomoniasis
Trichomoniaden sind winzige Einzeller, die sich an der Zielzelle festsetzen, wo es zu einer starken entzündlichen Reaktion kommt. Trichomoniaden sind an die Vagina angepasst und infizieren die Harnleiter. Sie kommen nicht im Anus oder im Mundbereich vor. Sie treten bei einem hohen pH-Wert auf, der z.B. bei einer bakteriellen Vaginose (Scheidenentzündung) oder einem niedrigen Östrogenspiegel vorherrscht. Am meisten betroffen sind deshalb junge Frauen und Frauen über 50, weil bei ihnen – verursacht durch die Menopause – der Östrogenspiegel tiefer liegt.
Die häufigsten Symptome sind: gelb-grünlicher Ausfluss, Schmerzen beim Wasserlassen, Geruch, Juckreiz und ein Wundgefühl im Bereich der Vulva oder Vagina. Etwa die Hälfte der Frauen haben jedoch gar keine Symptome.
Die Übertragung findet fast ausschliesslich über sexuellen Kontakt statt. Kondome verringern auch hier das Risiko einer Ansteckung, schliessen es aber nicht ganz aus.
Behandelt wird Trichomoniasis mit Antibiotika. Sexualpartner/-innen sollten mitbehandelt werden und auch hier wird empfohlen, dass man sich bei einem positiven Befund auf weitere STI testen lässt, weil Trichomoniaden oft zusammen mit anderen STI auftreten.
Filzläuse
Filzläuse sind Parasiten, die vorwiegend im Schamhaar leben, aber auch auf Augenbrauen oder Wimpern (durch Oralverkehr) vorkommen können. Sie kommen krabbelnd zum Ziel und können durch Sexualkontakt, aber auch über gemeinsam benutzte Kleidung, Bett- oder Frottéewäsche übertragen werden. Die Symptome sind starker Juckreiz.
Filzläuse ist eine der wenigen STI, die rückläufig ist. Das hat ziemlich sicher mit dem Trend der Schamhaarentfernung zu tun.
Behandelt werden die kleinen Tierchen mit einer Crèmespülung. Die Übertragung von Filzläusen lässt sich durch Kondome nicht verhindern.
Hepatitis B
Das Hepatitis-B-Virus löst eine infektiöse Leberentzündung aus. Die Übertragung erfolgt durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Personen (gemeinsamer Gebrauch von Injektionsspritzen, beim Geschlechtsverkehr, aber auch bei kleinsten Verletzungen der Haut oder über die Schleimhaut). Infizierte Mütter können die Krankheit während der Geburt auf ihr Kind übertragen.
Der Verlauf der Krankheit ist unterschiedlich. Ca. 30% der Erkrankten haben keine Symptome. Oft treten 1 – 6 Monate nach der Infektion Allgemeinsymptome wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Gelenkschmerzen, Fieber oder ein Hautausschlag auf. Auch wenn eine akute Hepatitis B meist spontan vollständig ausheilt, kann sich eine chronische Hepatitis B entwickeln. Diese kann zu einer Leberzirrhose (Vernarbung und Schrumpfung der Leber) oder zu Leberkrebs führen.
Die Hepatitis B gehört weltweit zu den häufigsten Virusinfektionen. In der Schweiz sind ca. 0,5 % der Bevölkerung mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert; Tendenz fallend.
Empfohlen wird, sich gegen Hepatitis B schon als Säugling impfen zu lassen. Leidet man bereits an einer chronischen Hepatitis B kann diese mit antiviralen Medikamenten therapiert werden.
Hepatitis C
Hepatitis C eine infektiöse Entzündung der Leber, ausgelöst durch das Hepatitis-C-Virus. Der Krankheitserreger wird durch Kontakt mit Blut einer infizierten Person übertragen.
Bei den meisten Menschen verläuft die Infektion symptomlos und wird nicht bemerkt. Bei 5 – 10% der Infizierten kommt es zu einer Gelbsucht/einer akuten Hepatitis (gelbliche Verfärbung des Weissen im Auge und der Haut). Bei 20 – 30% der Erkrankten heilt die akute Hepatitis C vollständig aus. Bei zirka 70 – 80% entwickelt sich eine chronische Infektion. Eine Spätfolge davon ist bei 5 – 30 % der chronisch Infizierten eine Leberzirrhose zu entwickeln. Die Betroffenen haben ein erhöhtes Risiko Leberzellkrebs zu entwickeln.
Hepatitis C kann mit antiviralen Medikamenten behandelt werden. In über 90 % der Fälle lässt sich eine Hepatitis C mit den heutigen Medikamenten heilen. Eine ausgeheilte Infektion hinterlässt keine Immunität. Man kann sich also immer wieder anstecken. Insbesondere wenn es zu Kontakt mit Blut gekommen ist, sollten sich Partner und Partnerinnen testen lassen.
Syphilis
Syphilis wird durch ein Bakterium ausgelöst. Die Infektion durchläuft meist vier Stadien: Primär-, Sekundär-, Tertiär- und frühen Latenz-Stadiums und wird durch direkten Haut-/Schleimhautkontakt übertragen (hauptsächlich im Genitalbereich, kann aber auch in der Mundhöhle auftreten). Während der Schwangerschaft und bei der Geburt kann die Infektion von der Mutter auf das Kind übertragen werden (kongenitale Syphilis, kann Missbildungen beim Kind hervorrufen).
Die Symptome im Primärstadium können im Zeitraum von 5 Tagen bis zu 3 Monaten nach der Ansteckung auftreten. Das können rote Flecken und Knoten an der Eintrittspforte des Erregers (Penis, After, Scheide, Rachen oder andere Körperstellen) und Lymphknotenschwellungen sein. Diese Flecken entwickeln sich zu verhärteten Geschwüren, welche aber unentdeckt bleiben können (im Inneren) und nach 4 – 6 Wochen in der Regel auch ohne Behandlung wieder verschwinden. Achtung: die Krankheit und deren Übertragbarkeit bleiben aber bestehen. Das Sekundärstadium ist durch einen meist nicht juckenden Hautausschlag charakterisiert, der sehr unterschiedlich sein kann. Dieser verschwindet ebenfalls ohne Behandlung. Im Tertiärstadium kann eine Syphilis als bleibende Schädigung von Herz, Gehirn, Knochen, Haut und anderen Organen zeigen. Nach Infektion folgt eine monate- bis jahrelange Phase, in der die Krankheit fortschreitet, ohne dass Symptome auftreten (Latenzstadium). Sie führt insbesondere zu Schädigungen des Nervensystems. Personen im frühen Latenzstadium können potenziell noch ansteckend sein.
Weltweit nimmt die Zahl der Syphilis-Fälle wieder zu – auch in der Schweiz. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht vor allem bei homosexuellen Männern sowie bei Personen mit mehreren wechselnden Sexualpartnern/-innen und im Bereich der Prostitution.
Kondome verringern das Risiko, sich mit Syphilis zu infizieren, aber schliesst dieses nicht komplett aus. Wichtig ist, eine Infektion früh zu erkennen und zu behandeln, weshalb bei Schwangeren regelmäßig eine Blutuntersuchung auf Syphilis durchgeführt wird, um gegebenenfalls das Neugeborene gleich behandeln zu können. Die Behandlung erfolgt üblicherweise mit Penicillin.
Humanes Immundefizienzvirus (HIV)
HIV heisst auf Deutsch „menschliches Immunschwäche Virus». Es handelt sich dabei um einen Virus, bei dem kurz nach der Infektion oft milde, grippeähnliche Symptome auftreten. Diese verschwinden in der Regel nach mehreren Wochen. Als Abwehrreaktion werden Antikörper gebildet, die nach ca. drei Monaten nach der Ansteckung im Blut nachgewiesen werden können. Darauf folgt eine symptomfreie Phase, die Monate oder Jahre dauern kann, in der sich aber das Virus im Körper weiter vermehrt und das Immunsystem schädigt. Langfristig kann das zu unspezifische Krankheitssymptome wie Schnupfen, Fieber, Husten oder Lymphknotenschwellungen führen, aber auch charakteristische Infektionskrankheiten oder Tumore hervorrufen. Dieses letzte Stadium der HIV-Infektion wird Aids genannt (Acquired Immune Deficiency Syndrome, auf Deutsch «Erworbenes Immunschwächesyndrom»).
Weltweit haben sich mehr als 37 Millionen Menschen mit dem HIV infiziert oder haben Aids. In der Schweiz geht man von rund 16’600 Menschen aus, die mit HIV infiziert sind.
Der Gebrauch von Kondomen verringert die Infektionsgefahr enorm. HIV wird oft auch beim Spritzentausch bei Drogenkonsum übertragen. Zudem kann es während der Schwangerschaft oder später beim Stillen von der Mutter auf das Kind übertragen werden.
Infizierte haben im Frühstadium der Erkrankung heute reelle Chancen, dass sich die Immunschwäche zurückbildet oder gar nicht erst entwickelt. HIV ist aber nach wie vor eine lebensbedrohliche Krankheit, wenn die Therapien nicht konsequent und lebenslang angewendet werden. Für HIV-negative Personen, die ein hohes Infektionsrisiko haben (z.B. Partner/-innen von HIV Infizierten) gibt es die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) für HIV. Das kann man sich wie ein Medikament vorstellen, das regelmässig und ständig eingenommen werden muss und dafür sorgt, dass das Virus sein Erbgut nicht in menschliche Wirtszellen einfügen und so nicht vermehren kann.
Schütze dich und andere
Wir hoffen mit diesem Artikel das Bewusstsein rund um das Thema STI erhöht zu haben und dass wir aufzeigen konnten, wie man sich vor STI schützen kann, wie sich STI äussern können und was man bei Verdacht auf eine STI unternehmen kann/soll. Wenn du weitere Fragen hast, kannst du dich an eine Gynäkologin/einen Gynäkologen wenden. Falls du lieber anonym bleiben möchtest gibt es in der Schweiz verschiedene anonyme Test-Zentren. Dort kannst du dich telefonisch beraten lassen oder direkt vorbei gehen (unter der Rubrik „Informiere dich weiter“ haben wir einige Anlaufstellen aufgeführt). Dies ist ebenfalls absolut notwendig, wenn eine STI vorliegt, um weitere gesundheitliche Folgen durch eine frühe Behandlung minimieren zu können und um bestehende/zukünftige Sexualpartner/-innen zu schützen.
Informiere dich weiter
Gebärmutterhalskrebs – Krebsliga Schweiz: www.krebsliga.ch/
Lass dich testen: www.lassdichtesten.ch/
Love Life: www.lovelife.ch/
Finde anonyme Anlaufstellen
Santé Sexuelle Suisse: old.sexuelle-gesundheit.ch/beratungsstellen/
Sexuelle Gesundheit Aargau: www.seges.ch/
Sexuelle Gesundheit Zürich: www.segz.ch/
Infektiologie Inselspital Bern: www.infektiologie.insel.ch/de/ambulatorium/hiv-test/
Quellen
Brochmann, Nina und Støkken Dahl, Ellen (2018). Viva la Vagina! Alles über das weibliche Geschlecht. Fischer S.
Gunter, Jen, Dr. med. (2020). Die Vagina Bibel: Vulva und Vagina – Mythos und Wirklichkeit. Südwest Verlag. München.
Bundesamt für Gesundheit. Herpes simples (HSV-1, HSV-2).www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/herpes-simplex.html, abgerufen am 04. August 2020.
Bundesamt für Gesundheit. Humane Imunodeficiency Virus (HIV). www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/hiv.html, abgerufen am 07. August 2020.
Bundesamt für Gesundheit. Humane Papillomaviren (HPV).www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/hpv.html, abgerufen am 04. August 2020.
Bundesamt für Gesundheit. Syphilis. www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/syphilis.html, abgerufen am 07. August 2020.
Bundesamt für Gesundheit. Trichomoniasis.www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/trichomoniasis.html, abgerufen am 07. August 2020.
Bundesamt für Gesundheit (2018). Übertragbare Krankheiten. HIV, Syphilis, Gonorrhoe und Chlamydiose in der Schweiz im Jahr 2018: eine epidemiologische Übersicht. www.bag.admin.ch/bag/de/home/zahlen-und-statistiken/zahlen-zu-infektionskrankheiten/hiv-sti-statistiken-analysen-trends.html, abgerufen am 03. August 2020.
Deximed. Hausarztwissen online. deximed.de/home/b/infektionen/patienteninformationen/bakterielle-infektionen/mycoplasma-genitalium/, abgerufen am 08. August 2020.
Pro familia. Sexuell übertragbare Krankheiten. www.profamilia.de/themen/gesundheit/sexuell-uebertragbare-krankheiten.html, abgerufen am 07. August 2020.
Leading Medicine Guide. www.leading-medicine-guide.ch/erkrankungen/infektionen/ureaplasma-urealyticum#topics, abgerufen am 29. August, 2020.